Am 4. August wurde es im Schullandheim Pottenstein ein bisschen geheimnisvoller als sonst. Zwischen Bühnenvorhang, Requisiten und jeder Menge Spielfreude entstand ein Tag, an dem aus Kindern Schauspielerinnen und Schauspieler, aus Ideen Geschichten und aus einer bunt zusammengewürfelten Gruppe ein echtes Theaterensemble wurde.
Kaum waren die Kinder am Morgen bei uns eingetroffen, standen wir schon vor einem Problem. Die Theatermagie war verschwunden! Und da ohne sie keine Geschichten mehr zum Leben erweckt werden konnten, machten wir uns gemeinsam auf die Suche.
Schon früh zeigte sich, wie unterschiedlich die Kinder an das Abenteuer der verlorenen Theatermagie herangingen. Einige hatten bereits Bühnenerfahrung und waren gefühlt von der ersten Minute an kleine Theaterprofis. Andere betraten dieses Terrain zum ersten Mal. Vor anderen zu stehen, eine Rolle zu spielen oder einfach einmal etwas völlig Verrücktes auszuprobieren, war für sie zunächst eine Herausforderung.
Doch genau darin lag der Zauber des Tages. Jede und Jeder konnte auf dem eigenen Niveau beginnen. Mit verschiedenen Spielen und kleinen Improvisationen tasteten wir uns gemeinsam an die Welt des Theaters heran. Wir probierten aus, wie viel man allein mit dem eigenen Körper erzählen kann, welche Geschichten in Geräuschen stecken und wie wichtig es ist, als Gruppe aufeinander zu achten.
Stück für Stück brachten wir Teile der Theatermagie im Laufe des Tages zurück.
Besonders deutlich wurde das bei den Geschichten der Kinder. Manchmal entstanden Aufführungen, bei denen selbst wir kurz überlegen mussten, wie die Kinder wohl auf diese Idee gekommen waren. Bei einer Aufgabe zog eine Gruppe die Begriffe „pinkes Schaf“ und „Bratwurst“. Die Lösung war ebenso einfach wie genial: Das pinke Schaf hatte keine Lust mehr Gras zu fressen und klaute deshalb kurzerhand einem Camper die Bratwurst vom Grill.
Auch Hexen waren unterwegs. Allerdings nicht, um jemanden zu verzaubern, sondern um mit ihren Besen ein Feuer zu löschen. Und bei den Geschichten rund um magische Gegenstände tauchte ein ganz besonderes Exemplar auf: ein Sombrero, der sich auf magische Weise immer wieder mit Käsenachos füllte. Wer braucht da noch einen Zauberstab?
Spätestens bei den großen Abschlussstücken war klar, wie viel sich die Kinder an diesem Tag getraut hatten. Da wurde aus dem Theaterraum plötzlich ein Tatort: Ein goldener Pokal war vom Grab des James Bond verschwunden. Zwei mutige und schlaue Detektive nahmen sich des Falls an und mussten sich mit allerlei Falschaussagen herumschlagen. Zum Glück hatten zwei aufmerksame Mitmenschen den Vorfall mit ihrer Handykamera dokumentiert. So konnte die Übeltäterin schließlich überführt werden und erhielt ein ausgesprochen deutliches Urteil „30 Jahre Haft wegen Diebstahl und Beschuldigung Unschuldiger“.
In einem anderen Stück standen kleine Prinzessinnen vor einem ganz anderen Problem. Sie hatten den Zauberstab für ihren Geburtstagspartyraum verloren. Erst eine geheimnisvolle Besucherin brachte die entscheidende Wendung. Sie fand den Zauberstab und rettete damit die Geburtstagsfeier.
Solche Geschichten waren es, die diesen Tag ausgemacht haben und so unterschiedlich sie auch waren, eines hatten sie gemeinsam: Alle waren selbst erdacht. Die Kinder mussten keine fertigen Rollen übernehmen und kein perfektes Stück auswendig lernen. Sie entwickelten ihre Ideen gemeinsam, verteilten Rollen, stellen Kostüme zusammen, bauten Requisiten und brachten ihre Geschichte anschließend mit viel Improvisation und Spielfreude auf die Bühne.
Und Spielfreude gab es reichlich.
Auch wir hatten viel Spaß dabei, die Kinder auf ihrer Suche nach der Theatermagie zu begleiten und zu erleben, wie aus anfänglichem Zögern immer mehr Selbstvertrauen wurde. Das Schönste war jedoch, dass sie sich selbst von der Theaterwelt und unserer Geschichte rund um die verlorene Theatermagie verzaubern ließen.
Am Ende kehrte die Magie zurück und wir verabschiedeten viele frisch gebackene Hüterinnen und Hüter der Theatermagie, von denen uns viele zum Abschied eine Frage stellten:
„Wann können wir wiederkommen?“
Ein größeres Lob für einen solchen Tag kann man sich wohl kaum wünschen.
Und so bleibt uns ein Tag voller verrückter Geschichten, mutiger Auftritte, überraschender Ideen und ganz viel Lachen. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an Kinder, die sich etwas zugetraut haben, über sich hinausgewachsen sind und für ein paar Stunden erlebt haben, wie viel Magie entstehen kann, wenn man gemeinsam eine Bühne betritt.
Vielen Dank daher an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben, an unser Team in Pottenstein und an den Kreisjugendring Bayreuth.
Wir freuen uns schon auf das nächste gemeinsame Abenteuer!


